Getrunkene Flasche

29.07.2016, eine Weinkritik von Glenn Büter

2009 Spätburgunder >B< | Friedrich Becker - Pfalz

Handlese, Spontanvergärung und Ausbau jeweils zum Teil in Barriques und im großen Holz aus französischer und pfälzer Eiche. Für einen einfachen Pinot präsentiert er sich mit einem ungewöhnlich tiefen schwarzrot mit lila Reflexen und intensiv rubinem Wasserrand. Schon in der Nase kommen reife Sauer- vor allem aber Schwarzkirschen zur Geltung, Haselnussstrauch, Kräuter und etwas Pflaume ziehen mit. Der Holzeinfluss ist dezent spürbar, Wacholder und ein Hauch Eukalyptus komplettieren das Bouquet. Auf der Zunge dann wieder reife Schwarzkirsche, ohne wirklich rotfruchtige Aromen von Him- oder Erdbeeren, wie man es sonst vielleicht von deutschen Pinots erwartet. Gerade die für mich oftmals unangenehm marmeladigen Töne bleiben glücklicherweise aus. Die präsente Kirscharomatik wird wunderbar eingefasst von einer angenehmen Säure, die einen, verbunden mit weichem Tannin und Wacholder kurze Zeit vergessen lassen, dass es sich hier um einen deutschen Einstiegs-Pinot handelt. Dabei wunderbar cremig und mit subtilem Hauch Haselnussstrauch im herrlich langen Nachhall. Ein sehr leckerer, saftiger, burgundisch gehaltener Spätburgunder, der für diese Preiskategorie viel Eindruck schindet und große Vorfreude macht auf das, was in den höheren Lagen der Beckers folgt.

GB: 91/100

Trinkreife: 2015-2022