Getrunkene Flasche

15.06.2016, eine Weinkritik von Glenn Büter

2010 Forster Ungeheuer Riesling | von Winning - Pfalz

Handlese und Spontanvergärung verstehen sich von selbst. Interessant ist neben dem kühlen Jahr 2010 aber vor allem die Tatsache, dass diese Lage heute als GG klassifiziert ist, das sich für dieses Jahr glücklicherweise noch nicht im Preis, wohl aber in der Qualität bemerkbar macht.
Mit kräftiger Farbe, einem hellen goldgelb präsentiert er sich in der Farbe. Die Nase offenbart leichtes Holz, etwas Butter und Toast, dezenten Kalk, sehr subtile Holunderbeere und vor allem reife Nektarine, die begleitet wird von viel Rasse und der für das Haus und auch die Pfalz so typischen, kräutrigen Würze.   Am Gaumen dann ein ähnliches Aromenspektrum zeigend. Guter Schmelz, ein Kräuterbündel und dezente Stachelbeere sind hier wahrnehmbar. Gerade im Nachhall wird die Nektarine nochmal sehr präsent. All das ist unterlegt von einer sehr straffen, rassigen Säure und der bereits in der Nase angekündigten Mineralität. Wo bei einem Schönleber letztere deutlich überwiegt (wenn auch aufgrund der Gebietsunterschiede nicht ganz vergleichbar), ist es hier die gelbe Frucht, vor allem aber die rassige Säure mit den kräutrigen, würzigen Noten, die hier den Ton angibt. Das ist keine total schmelzige Fruchtbombe mit hohem Restzucker, sondern ein Riesling mit Ecken und Kanten, mit zupackender, maskuliner Säure und viel Power.

Trinkreife: 2015-2021
GB: 92/100