Getrunkene Flasche

24.08.2016, eine Weinkritik von Glenn Büter

2009 Riesling | Christ - Rheinhessen

Ein leider schon wieder fallen gelassenes Winzer-Projekt

Dies ist einer der Weine, deren Winzer ich sehr gut kenne und ebenso schätze. Die Reben sind gepflanzt in reinen GG-Lagen, die Weine allerdings nicht als solche etikettiert. Natürlich von Hand gelesen, nach der Spontanvergärung für einige Monate ausgebaut im großen Holzfass. Goldgelb im Glas, präsentiert sich dieser Rheinhesse mit spürbarem Boytritiston und bereits sehr reif in der Nase. In 2009 wurde spät und damit sehr reif gelesen, entsprechend hoch waren die Mostgewichte. Wenn 2007 die "schlanke" Opulenz ausstrahlt, dann ist das hier das noch viel breitere und geschmeidigere Pendant. Im Mund dann reif und gelbfruchtig mit reifen Aprikosen und Pfirsichen, sehr wenig Maracuja, es bestätigt sich der Eindruck des ausladenden Bouquets, dazu präsentiert sich ganz wenig Salz, der Wein zeigt eine nur sehr dezente Mineralität. Dazu eine ebenso verhaltene Säure, die dem hohen Restzuckeranteil nur bedingt etwas entgegen setzt. Man könnte meinen, hier eine opulente, feinherb ausgebaute Auslese im Glas zu haben. Insgesamt ist das kein Riesling für Puristen, immer auf der fruchtigen statt der mineralischen Seite bleibend, ausgestattet mit großer Opulenz und viel Schmelz, das macht ihn so geschmeidig am Gaumen. Vielleicht fehlt ihm ein wenig Rasse, ein paar Ecken und Kanten, wobei eine Opulenz in dieser Konzentration eigentlich auch schon eigenwillig genug ist. Das ist alles andere als Mainstream, ein Der Wein ist schon fortgeschritten in seiner Entwicklung, ist jetzt auf dem Reifehöhepunkt und wird noch einige Jahre großen Spaß machen.

GB: 91/100

Trinkreife: 2013-2020