Getrunkene Flasche

06.08.2016, eine Weinkritik von Glenn Büter

2008 Nero di Troia | Rasciatano - Apulien, Italien

Ausgehend von der brilliant rubinroten Erinnerung bezüglich der Farbe präsentierte sich der Wein heute überraschend reif in der Farbe. Das junge dunkelrot ist hier um einige Ziegeltöne ergänzt worden, was dem Wein aber keinen Abbruch tun soll.

Denn die Nase lässt sogleich keinerlei Anzeichen von der befürchteten Altersschwäche erkennen, die allerdings auch sehr überrascht hätte. Stattdessen begleiten reife, schon angetrocknete Beerenfrüchte das nun doch sehr maskulin wirkende Bouquet, das um ein wenig Kakao, etwas frischen Teer und einen Hauch Lakritz ergänzt wird.

Am Gaumen präsentiert sich der Wein dann in der Blüte seiner Jahre: Die vor Jahren noch vorrangig dominierende primäre Fruchtaromatik von Schwarzkirschen, Holunder- und Johannisbeeren ist mit der Zeit nämlich einer spürbaren Adstringenz, wieder dem in der Nase schon vorgefundenen Lakritz und damit einhergehendem Süßholz gewichen. Eher sekundär treten dann auch frischer Koriander und eine Spur Aroniabeere auf. Der zwölfmonatige Ausbau in französischen Barriques ist im Mund zwar spürbar, dominiert den Wein dabei keinesfalls.

Dies ist kein Spitzenitaliener, keiner der den Ruf nach großen Namen laut werden lässt, aber ein durchaus sympathischer, vor allem nicht so marmeladiger Rotwein, der im Großen und Ganzen vor allem durch seine subtile Furchtaromatik besticht, die die adstringierenden  und derberen Züge wunderbar begleitet und zu einem harmonischen Gesamtbild zusammenfügt. Solo hat es der Wein eher schwer, als Begleiter zum Steak pariert er aber zweifellos.

Trinkreife: 2012-2018

GB: 89/100